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Geschichte der Stadt Ostrava

erstellt von Krzyžanková Vlasta zuletzt verändert: 02.07.2012 14:27
Die älteste Geschichte, Ostrava im Mittelalter, Etwicklung des Handwerks, Stadt der Kohle und Stahl, Das Große Ostrava, Rückkehr zur Freiheit und Demokratie

Unter dem sagenhaften Landeck

Landecká (Petřkovická) VenušeOstrava erhielt seinen Namen nach dem Fluss Ostravice (Ostrawitza), der die Stadt in den mährischen und den schlesischen Teil teilt. Der Wortstamm des Wortes Ostrava bedeutet „scharf, schnell, wild (fließender Fluss)“. Die Besiedlung des Gebiets, auf dem die heutige Stadt liegt, ist bereits in der älteren Steinzeit zum ersten Mal belegt. Vor ca. 25 Tausend Jahren hatten auf der Anhöhe Landek (Landeck) die Mammutjäger ihren Lagerplatz, wie zahlreiche archäologische Funde belegen. Die bedeutendste Entdeckung war die im Jahr 1953 gefundene 48 mm große Skulptur, ein Torso einer weiblichen Gestalt aus Hämatit, der Venus von Petřkovice (Petershofen, Landek) genannt wird. Archäologen fanden Beweise dafür, dass die urzeitlichen Jäger Kohle aus den Flözen als Brennstoff benutzten. Es handelt sich um den Beleg der weltweit ersten Verwendung der Steinkohle. Auf der sagenhaften Anhöhe von Landek erbaute im 8. Jahrhundert der slawische Holasitzer-Stamm eine seiner zahlreichen Burgen. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete hier der böhmische König Ottokar II. Přemysl eine steinerne Burg.

Entstehung der mittelalterlichen StadtKostel sv. Václava na akvarelu z r. 1728

Zu den ältesten Gemeinden Ostravas gehört Slezská Ostrava (früher Polnisch Ostrau, heute Schlesisch Ostrau), das bereits im Jahr 1229 in einem Dokument des Papstes Gregor IX. erwähnt wurde. Zur Bewachung der Grenze zwischen dem polnischen und tschechischen Staat wurde an der Landzunge oberhalb des Zusammenflusses der Lučina mit Ostrawitza die Schlesisch-Ostrauer Burg gebaut, die in einer Urkunde aus dem Jahr 1297 erwähnt wurde. Dem heutigen Moravská Ostrava (Mährisch Ostrau), dessen Name zuerst im Testament des Bischofs von Olmütz Bruno von Schaumburg im Jahr 1267 genannt wird, wurde der Status einer Stadt ganz sicher vor dem Jahr 1279 erteilt. Die neu gebaute Stadt wurde zum Zentrum für die Bischofsdörfer in der Umgebung. Ihr Kern bildete der viereckige Marktplatz (der heutige Masaryk-Platz). Im Jahr 1362 erteilte ihr der König und Kaiser Karl IV. das Recht, einen 16-tägigen Jahrmarkt zu veranstalten. Das Privileg hatte die Erhöhung des Prestiges von Ostrava zur Folge, so dass sich die Stadt am linken Ufer des Flusses Ostrawitza im 14. Jahrhundert zu einem wichtigen Punkt auf der Karte der mittelalterlichen Markthändler verwandeln konnte. Die Hussitenkriege griffen ins Leben der Stadt nicht allzu sehr ein. Im Jahr 1438 erwarb sie für eine kurze Zeit der Hussitenhauptmann Jan Čapek ze Sán und nach ihm der Krieger Jan Talafús z Ostrova. Im Jahr 1437 wurde dann Mährisch Ostrau definitiv in die Hochwalder Herrschaft eingegliedert, deren Schicksale es dann bis zum Jahr 1848 teilte.

Aufschwung durch Kriege und Katastrophen gebremst

Zámek v Polské Ostravě na poč. 20. stoletíDas einzige steinerne Gebäude in der Stadt war – zusammen mit dem Schloss (Sitz des Bürgermeisters) – die St.-Wenzels-Kirche (erstmals schriftlich erwähnt 1297). Das grundlegende System der Stadtmauern wurde in den Jahren 1371–1376 erbaut. Das Rathausgebäude auf dem heutigen Masaryk-Platz wird zuerst im Jahr 1539 erwähnt. Es wurde mehreren Bauanpassungen unterzogen, seine gegenwärtige Form stammt aus dem Jahr 1859. Im Jahr 1564 ist die Existenz der hölzernen St.-Katharina-Kirche in Hrabová (Grabau) belegt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Stellung Ostravas dank der Entwicklung der Handwerksproduktion, vor allem des Tuchmacher-, Weber- und Schneiderhandwerks, gestärkt. Ein bedeutender Bestandteil der Wirtschaft wurde die einträgliche Teichwirtschaft. Im Jahr 1533 wurde von der Stadt die Gemeinde Čertova Lhota (Teufelsdorf, heutiges Mariánské Hory [Marienberg]) und im Jahr 1555 Přívoz (Oderfurt) gekauft. Das Leben von Mährisch Ostrau wurde neben Militärzügen auch von Naturkatastrophen – Hochwasser und Bränden – beeinträchtigt. Der größte Brand im Jahr 1556 hat die Häuser auf dem Marktplatz praktisch vernichtet. Im Jahr 1625 starb ungefähr eine Hälfte der Einwohner infolge der Pestepidemie. Während des Dreißigjährigen Krieges gehörte Ostrava zu den meistbetroffenen tschechischen Städten. Es wurde von dänischen Soldaten besetzt, sein schlesischer Teil seit dem Jahr 1642 von Schweden.

Der Kohlenfund und die Eisenhüttenwerke drehten das Rad der StadtgeschichteDůl Šalamoun na pohlednici z poč. 20. století

Die Belebung des wirtschaftlichen Lebens in der Region Ostrava brachte die Entdeckung der Kohle im Jahr 1763 im Burňa-Tal in Polská Ostrava (Polnisch Ostrau) mit sich. Ihr Vorkommen wurde vier Jahre später vom bergmännischen Fachmann Jan Jakub Lutz bestätigt. Dennoch begann der Eigentümer der Herrschaft Franz Josef Graf Wilczek erst im Jahr 1787 mit der regelmäßigen Förderung. Der Anschluss Galiziens zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie im Jahr 1772 ermöglichte die Erweiterung des Viehhandels und förderte teilweise die wirtschaftliche Entwicklung. Die starke Entwicklung der Agglomeration wurde im Jahr 1828 mit der Gründung der Eisenhüttenwerke im Dorf Vítkovice (Witkowitz) durch Rudolf, den Erzbischof von Olmütz, gestartet. Der Anschluss an die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn im Jahr 1847 mittels der Bahnhöfe in Svinov (Schönbrunn) und Přívoz (Oderfurt) bewirkten, dass aus Ostrava in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eines der bedeutendsten Industriezentren der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde. Der Aufschwung der Industrie hatte auch eine Steigerung der Bevölkerungszahl zur Folge. Noch im Jahr 1830 lebten in Mährisch Ostrau nicht einmal zweitausend Menschen, fünfzig Jahre später überschritt ihre Anzahl 13 Tausend. Bedeutend angestiegen ist der Anteil der deutsch- und polnischsprachigen Bevölkerung. Hauptsächlich Zuwanderer besetzten zahlreiche Arbeiterkolonien in Polská Ostrava (Polnisch Ostrau), Vítkovice (Witkowitz) und weiteren Gemeinden. Das Gesellschafts- und Kulturleben der in der Stadt lebenden Nationalitäten konzentrierte sich am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im tschechischen Volkshaus (heute J.-Myron-Theater), Deutschen Haus (am Ende des 2. Weltkriegs abgetragen), Polnischen Haus und im Stadttheater (heute A.-Dvořák-Theater). Der bedeutendste Bau war die im Jahr 1889 beendete Heilandskirche. Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 behielt die Stadt Ostrava dank ihrer Eisenhüttenwerke und Bergwerke eine bedeutende wirtschaftliche Stellung und verwandelte sich langsam in ein Verwaltungs-, gesellschaftliches und kulturelles Zentrum.

Der Traum von Groß-Ostrau erfüllte sich

Německý wehrmacht za mostem přes Odru v Petřkovicích 14. 3. 1939Zum 1. 1. 1924 wurde das sog. Groß-Ostrau gebildet, was eine Fusion von sieben mährischen Gemeinden mit sich zog (Moravská Ostrava [Mährisch Ostrau], Přívoz [Oderfurt], Mariánské Hory [Marienberg], Vítkovice [Witkowitz], Hrabůvka [Klein Grabau], Nová Ves [Neudorf] und Zábřeh nad Odrou [Heinrichsdorf]). Das beeinflusste bedeutend die Bauentwicklung der Stadt. Es wurden zahlreiche Kaufhäuser, Banken und Verwaltungsgebäude gebaut. Die größte Aufmerksamkeit erweckte das am 28. Oktober 1930 feierlich eröffnete Neue Rathaus mit einem quadratischen 75 m hohen verglasten Turm. Das Leben der Stadt wurde in den Jahren 1929–1934 stark von der Weltwirtschaftskrise betroffen. Nach dem Münchner Abkommen im Herbst 1938 und Abtreten der Grenzgebiete an Deutschland erreichte die Tragödie der Tschechoslowakischen Republik ihren Höhepunkt am 15. März 1939 mit der Besetzung des Rests des Landes. Die Einheiten der deutschen Wehrmacht marschierten nach Mährisch Ostrau noch einen Tag früher ein. Die größten Industriebetriebe wie die Witkowitzer Bergbau- und Hüttengewerkschaft oder die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn wurden der Verwaltung des deutschen Reichskonzerns der Hermann-Göring-Werke unterstellt und orientierten sich fortan nur noch auf die Kriegsproduktion. Das nahende Kriegsende brachte im August 1944 Luftangriffe der angloamerikanischen Alliierten, welche die Stadt ernsthaft beschädigten, mit sich. Die Stadt Ostrava und ihre Einwohner erlebten die Befreiung am 30. April 1945. Einheiten der 4. Ukrainischen Front der Roten Armee beendeten zusammen mit der 1. Tschechoslowakischen selbstständigen Panzerbrigade die schweren und blutigen Kämpfe im Rahmen der Mährisch-Ostrauer Operation.

Das Stahlherz der RepublikVýstavba sídliště Poruba v 50. letech 20. století

Nach dem Jahr 1945 und im Verlaufe der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts orientierte sich die Tschechoslowakei auf die Entwicklung des Bergbaus, der Stahlindustrie und weiterer Bereiche der Schwerindustrie. Ihr Zentrum wurde Ostrava, zu der Zeit die „Stadt der Kohle und des Eisens“ oder auch „das Stahlherz der Republik“ genannt. Im Jahr 1949 wurde mit dem Bau eines umfangreichen Industriekomplexes Nová huť (Neue Hütte) in Ostrava-Kunčice (Groß Kunzendorf) begonnen. Eine massive Förderung der Schwerindustrie hatte den Zuzug neuer Arbeitskräfte nach Ostrava und Umgebung zur Folge. In den damaligen Randvierteln der Stadt sind viele neue Siedlungen gewachsen, besonders Poruba, Zábřeh [Heinrichsdorf], Hrabůvka [Klein Grabau], später Výškovice [Wischkowitz] und Dubina. Ostrava wurde im Jahr 1945 der Sitz der Hochschule für Berbau (aus Příbram [Pibrans] verlegt) und Nebenstelle der Pädagogischen Fakultät der Brünner Masaryk-Universität. Diese verselbstständigte sich im Jahr 1959 und wurde im Jahr 1991 in die neu gegründete Universität Ostrava eingegliedert. Das kulturelle und gesellschaftliche Leben stellten zwei ständige Theaterbühnen sicher – das heutige Antonín-Dvořák-Theater (seit 1945 Landestheater, 1949–1990 Zdeněk-Nejedlý-Theater) und Jiří-Myron-Theater (Volkshaus, 1945–1954 Volkstheater). Beliebtheit unter überwiegend jungen Zuschauern erfreut sich das Petr-Bezruč-Theater (gegründet im Jahr 1948 als Theater der Jungen) und die Kammerszene Aréna (seit dem Jahr 1951 Musiktheater). Für junge Zuschauer wurde im Jahr 1946 eine Amateur-Puppenbühne unter dem Namen Holzkönigreich gegründet, aus dem ab dem Jahr 1953 das professionelle Puppentheater wurde. Im Jahr 1954 nahm die heutige Janáček-Philharmonie Ostrava ihre Konzerttätigkeit auf.

Auf dem Weg zur Freiheit und Demokratie

Masarykovo náměstí v centru OstravyDas Jahr 1989 brachte bedeutende politische und wirtschaftliche Änderungen. Ostrava wurde eine Statutarstadt mit einem Oberbürgermeister, dem Stadtrat und der Stadtvertretung an der Spitze, gewählt in freien und demokratischen Wahlen. Infolge der Umstrukturierung der Industrie wurde die Bergbautätigkeit auf eine rasante Art und Weise beendet. Der letzte Hunt, gefördert am 30. Juni 1994 von der Grube Odra (früher Schacht František) in Přívoz [Oderfurt], beendete die mehr als zweihundert Jahre andauernde Geschichte der aktiven Bergbauunternehmungen in Ostrava. Die Hochöfen von Vítkovice [Witkowitz], die eine bedeutende Stadtdominante bilden, erloschen im Jahr 1998. In Vítkovice orientierte man sich fortan auf die Maschinenbauproduktion. Auf dem Gebiet der Stadt konzentrierte sich die Stahlindustrie im Betrieb Nová huť (heute Arcelor Mittal). Durch den päpstlichen Erlass Ad christifidelium spirituali von Johannes Paul II. vom 30. Mai 1996 wurde Ostrava zum Sitz der Diözese Ostrava-Opava. Die Heilandskirche wurde zur Kathedrale erhoben. Ins Leben der Stadt und vieler ihrer Einwohner griff dramatisch das Hochwasser vom Juli 1997 ein, bezeichnet als das „Jahrtausendhochwasser“. Die durch das größte Hochwasser in der Geschichte Ostravas verursachten Schäden wurden auf mehr als vier Milliarden Kronen (ca. 160 Mio. Euro) geschätzt. Im Jahr 2000 wurde Ostrava zum Sitz der neu entstandenen Region Ostrava, heute der Mährisch-Schlesischen Region.

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